Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

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Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Sissi » 24. Feb 2013, 16:57

24. April


Warum sind eigentlich alle so ungerecht zu mir? Ich habe gedacht, dass ich wenigstens einen Freund hätte. Heute erst hat Fedri mir noch vorgeschlagen in die Fußballmannschaft zu kommen und was macht er? , nimmt unsere Freundschaft und trampelt mit Füßen darauf. Ich habe meinen ersten Stuhl endlich fertig und er war perfekt! Er ist nicht zusammen gebrochen! Aber wie sollte es auch anders kommen? Fedri gab meinen Stuhl als seinen aus (seinem hatte der Meister nämlich schon alle Beine ausgerissen) und der Meister glaubte natürlich ihm und nicht mir und das wahrscheinlich nur, weil ich Jud bin. Ich weis gar nicht, was die alle gegen Juden haben. Wir sind doch genauso Menschen, wie sie. Sie geben mir an allem, was passiert, die Schuld. Ich wünsche mir so sehr, dass das bald mal ein Ende nimmt. Ich halte das nicht mehr lange aus. Wieso ist das Leben eigentlich so hart zu mir? Ich glaube das kann keiner so richtig beantworten, weil die Leute selber nicht wissen, was sie eigentlich gegen mich haben. Sie hören Gerüchte und denken, dass alles der Wahrheit entspricht. So sind sie eben, dass anscheinend „perfekte“ Volk und ich kann nichts dagegen unternehmen. Ich habe Angst vor dem, was noch alles auf mich zu kommt. Jetzt muss ich in Zukunft Bestellungen schreiben. Der Meister meinte nämlich das habe ich im Blut, im Gegensatz zum Tischlern. Jetzt fühlt er sich bestimmt besonders großzügig dafür, dass er mich nicht einfach entlassen hat. Nur hat er nicht bedacht, dass ich Tischler werden wollte. Hat mein Leben überhaupt noch einen Sinn? Ich weis es nicht. Ich bin einfach nur ein verhasster, nichts taugender Jud.
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Tagebucheintrag zu Bild 4

Beitragvon Katharina » 25. Feb 2013, 21:26

Liebes Tagebuch,
heute habe ich wieder einmal gemerkt, wie hinterhältig und gemein das Volk Andorras ist. Ich war bei unserem Arzt, der, der so viel in der Welt herum gekommen ist, der, der für sein Volk lebt, der, der alles in seinem Leben richtig gemacht hat. Das hat er mir heute alles ausführlich beigebracht. Mich stört es auch nicht, dass er das Volk Andorras schätzt und lobt, aber wenn er sagt `Dass jeder Jud in den Boden versinkt, wenn er den Namen unseres Vaterlandes hört´ oder `Ich kenne den Jud. Wo man hinkommt, da hockt er schon, der alles besser weiß, und du ein schlechter Andorraner, kannst einpacken.´, das geht zu weit. Ich bin gegangen, einfach so, ohne zu kommentieren. Ich wollte ja meine Meinung sagen, aber ich habe mir eine Frage gestellt: Stimmt das, was er sagt?
Alle hassen mich, schließen mich aus, gehen weg, wenn ich komme. Das kann nur an meinem Judsein liegen. Es geht nicht anders. Was noch ist an mir schlecht? Außer dass ich nicht von hier stamme? Selbst mein eigener Vater, wenn auch nicht mein Erzeuger, einer, der eigentlich zu mir halten sollte, ist gegen mich und behandelt mich anders nur weil ich naja, eben anders bin, woanders herkomme. Ich verstehe sowas nicht. Am Liebsten würde ich ein anderer sein, einer der von hier stammt, einer, der auch vor mir wegrennen kann, der mich beleidigen kann sobald ich ankomme. Ich will wissen, wie ich wirke, wie ich bin, wie ich mich verhalte gegenüber anderen. Oft frage ich mich auch: Wie würde denn mein Leben dort drüben aussehen? Bei denen, die genauso sind wie ich? Ich würde Barblin mitnehmen und sie dort heiraten. Hier darf ich ja nicht. Und was ist Schuld? Dass ich Jud bin. Heute beim Abendessen habe ich mich getraut und habe Vater von meinen Plänen mit Barblin erzählt. Anstatt sich zu freuen, oder es zumindest erstmal zu akzeptieren und darüber in Ruhe zu reden, rastet er völlig aus und rennt weg. Besäuft sich irgendwo und geht den Dingen aus dem Weg, die wirklich wichtig sind. Was bitte ist das für ein Vater? Ich finde, auch wenn ich nicht sein echter Sohn bin, sollte er zu mir halten. Ich habe sowieso schon alle gegen mich. Ich weiß, dass ich `anscheinend´ nicht gut genug bin für das Leben hier. Ich weiß, dass die Andorraner besser sind als ich. Ich weiß. Aber mein Adoptivvater, warum unterstützt er mich nicht, warum hat er mich überhaupt geholt? Nur wegen dem Ruhm? Weil ihn alle für ein Held halten? Aber er muss mich doch sein ganzes Leben ertragen, warum macht er das dann? Das würde es gar nicht bringen, wenn er nur für eine Zeit eine heldenhafte Figur in Andorra ist und den Rest seines Lebens mit einem dummen Juden verbringen muss, der auch noch seine Tochter haben will? Ich weiß nicht, wie ich das anstellen soll, ohne Barblin zu leben. Oder zumindest nicht die Garantie darauf zu haben, sie für immer behalten zu dürfen. Sie kann doch jeder haben, schon der Soldat, der sie dauernd anspricht, macht mir zu schaffen. `Schweig!´ hat er gesagt, es klingt mir immernoch in den Ohren. Sein Gebrüll, sein wütender Tonfall, als wenn es das schlimmste wär auf Erden. Oder ist es das für ihn? Mutter wollte mich noch verteidigen und fand es zum Ende hin gar nicht mehr so unmöglich. `Ich versteh dich nicht, Can, ich versteh dich nicht. Barblin ist neunzehn und einer wird kommen. Warum nicht Andri, wo wir ihn kennen?´ Als Vater merkte, dass ich seine Sicht der Dinge nicht verstehe, versuchte er, mich anders umzustimmen: `Sie ist ein Huhn. Lass sie! Du findest noch andere Mädchen genug!´ Als ob ich ihm das glauben würde! Ich werde in meinem Leben nie wieder so eine tolle Frau finden, wenn überhaupt irgendeine Frau. Das glaub er wohl selbst nicht!
Ach ja, wenn die ganzen Stimmen in meinem Kopf nicht wären...welches frei und glückliche Leben könnte ich nur führen? Die Andorraner machen mich und mein Leben schlecht. Ich kann es mittlerweile ertragen, wenn sie mich als unwürdig und nicht gut genug sehen, aber dass ich die Liebe meines Lebens auch noch verlieren muss, es tut mir im Herzen weh, ich kämpfe mit mir selbst.. Warum ist die Welt so ungerecht? Warum bekommen manche alles Glück der Welt und manche nur Pech und Unglück? Warum kann nicht mal eine Sache in meinem Leben gut sein?
Ich will es ja akzeptieren, ich versuche es, aber ich bin so zerstört im Moment, ich kann nicht klar denken. Tritt noch jemand in mein Leben, der mich versteht? Hilft mir doch einer!
Ich habe mal gehört, man soll Menschen so nehmen wie sie sind, denn jeder Mensch ist gut. Warum nimmt mich keiner so wie ich bin? Behandeln sie alle Juden so? Oder alle die nicht Andorraner sind?
Andorrander sind hilfsbereit, bescheiden, nett. Stark, freundlich. Und was sind wir? Ein Stück Dreck.
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Franzi » 26. Feb 2013, 17:06

Kathi:
Ich finde, dass du den Text sehr gut geschrieben hast. Es scheint so, als ob Andri wirklich alle seine Gedanken und Eidrücke niedergeschrieben hat. Die Fragen verdeutlichen seine innere Verwirrung. Ich finde es auch gut, dass du stellen aus dem Buch herausgeschrieben hast. Es machte das ganze übersichtlicher. Insgesamt hast du die Situation von Andri sehr schön beschrieben und dir auch Gedanken gemacht, was er in dieser Situation fühlen könnte. Vorallem den letzten Abschnitt finde ich sehr gelungen. Du machst nochmal die ganze Verzweiflung, Entäuschung und Verwirrung deutlich und endest mit: "Und was sind wir? Ein Stück Dreck.", was ich sehr passend finde.
Dein Text war sehr gut und man konnte sich in die Lage von Andri hineinversetzen. :D

Sissi:
Ich finde, dass auch du die Gendanken von Andri sehr gut geschildert hast. Du hast angedeutet, dass er sehr verletzt war, von dem, was der Geselle ihm angetan hat. Du zeigst auch seine Enttäuschung gegenüber dem Volk von Andorra sehr direkt, was ich sehr gut finde. Zusätzlich bindest du noch seine Angst mit ein was ich sehr gut finde, weil es ein neuer Aspekt ist und eine andere Sicht auf das ganze Geschehen ermöglicht. Auch du hast einen guten und aussagekräftigen Schlusssatz: "Ich bin einfach nur ein verhasster, nichts taugender Jud.". Dies verdeutlicht nochmal, wie Andri sich selbst sieht.
Insgesamt finde ich, dass du einen guten Text geschrieben hast, aber ich denke, dass du manchmal ein bisschen ausführlicher hättest beschreiben können :)
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Jaclyn » 26. Feb 2013, 17:30

Sissi,

deine Einleitung ist gut, denn ich wusste schon nach den ersten Sätzen, um welche Szene es sich handelt.
Man kannn aus deinem Tagebucheintrag herauslesen, wie verletzt und verwirrt Andri ist. Er kann nicht verstehen, warum Fedri so gehandelt hat.
Der Satz '' Ich halte das nicht mehr lange aus'' verdeutlicht Andris Verzweiflung. Ich find es gut, dass du das eingebaut hast.
Der letzte Satz sticht besonders hevor, da deutlich gemacht wird, dass Andri fest davon überzeugt ist, dass er Jude ist.
Inhaltlich ist der Tagebucheintrag gut, aber er könnte noch ein wenig ausführlicher sein.
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Charlotte » 27. Feb 2013, 18:26

Sissi, ich finde deinen Tagebucheintrag sehr gut, nicht zu formell, sondern einfach so, wie ein verzweifelter Mensch in dieser Situation schreiben würde. Ich fand es auch gut, wie du die Situation aus Andris Sicht beschrieben hast und dass du auch viele Fragen geschriebn hast, die niemand eigentlich so richtig beantworten kann. Ich fand es auch gut, wie der letzte Satz die Verzweiflung Andris verdeutlicht, also, dass er jetzt schlussendlich doch glaubt, was die Leute erzählen.

Kathi, ersteinmal hast du die Situation sehr gut und ausführlich beschrieben, auch aus Andris Sicht, also wie er sich gefühlt hat. Ich finde, es kommt sehr gut rüber, dass er es nicht mag, Jud zu sein, z.B. wo du schreibst, woran sonst kann es liegen. Schließlich sieht Andri ja auch aus wie ein Andorraner.
Die Verzweiflung Andris beim Abendessen kommt sehr gut rüber, dass er es nicht verstehen kann und die falschen Schlüsse zieht.
Auch bei dir gibt es sehr viele ungeklärte Fragen und Andris Verzweiflung kommt sehr gut rüber.

Insgesamt finde ich beide Tagebucheinträge sehr gut gelungen. :D
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Rosa » 28. Feb 2013, 15:24

Kathi,
ich finde deinen Text sehr gut. Du hast Andri als an sich selbst zweifelnden und traurigen Menschen beschrieben. Außerdem hast du gut formuliert und viele (rhetorische) Fragen benutzt, z.B. "Warum ist die Welt so ungerecht? Warum kann nicht mal eine Sache in meinem Leben schön sein?" Die zeigen wie verunsichert und verwirrt Andri ist. Vor allem das Ende ist super :D

Sissi,
auch dein Text ist toll! Du hast Andris Probleme gut rüber gebracht und seine Sorgen und seine Verzweiflung gut geschildert. Zuerst hast du die vielen unbeantworteten Fragen von Andri aufgezählt: "Warum sind alle so ungerecht zu mir? Wieso ist das Leben so hart zu mir?" und was überhaupt an Juden so schlimm sei. Als "Schlussfolgerung" hast du dann am Ende geschrieben: "Ich bin einfach ein verhasster, nichts taugender Jud." Dadurch verdeutlichst du seine Hoffnungslosigkeit und seine Verzweiflung. :D
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Felix » 28. Feb 2013, 16:25

zu sissi: ich findedein text ist sehr gut gelungen. du hast die gefühle und gedanken andris perfekt geschilder. du hättest es vielleicht noch ein bisschen mehr wie ein tagebucheintrag gestalten können, zum beispiel mit einem anfang (liebes tagebuch..) oder einem ende ( hoffentlcih passiert morgen..). sonst fand ich deinen tagebucheintrag sehr gelungen!!!
Felix
 
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Feyza Yildiz » 28. Feb 2013, 17:15

Kathi,
ich finde deinen Tagebucheintrag sehr gut gelungen. Du hast die Situation von Andri sehr gut beschrieben und hast versucht seine Gefühle so gut wie möglich zu verdeutlichen. Besonders gut finde ich, dass du geschrieben hast, dass es Andri zunächst gar nicht störte, dass der Doktor sein Land lobte. Erst später ist er ausgerastet, nachdem der Doktor anfing die Juden zu beleidigen. Ich finde es sehr gut, dass du diesen Aspekt in deinen Text eingebaut hast, denn es ist ein großer Unterschied, ob eine Person sich selbst lobt aber gleichzeitig auch andere Menschen respektiert, oder ob sie stattdessen andere Menschen (-gruppen) schlecht darstellt und sich als etwas besseres sieht.
:)
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Joshua Welford » 28. Feb 2013, 18:25

Sissi:
Super text, ich wusste anfangs nicht worüber es sich handelt :D gute Einleitung, aber wie gesagt vielleicht anfangen mit "Liebes TAgebuch" oder so.
Aber ansonsten wars für mich ein gelungener Tagebuck eintrag.
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Re: Tagebucheintrag von Andri zu Bild 3

Beitragvon Sissi » 1. Mär 2013, 20:42

Der erste Tagebucheintrag ist übrigens von mir und Julia, weil wir die selbe Szene hatten.
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