Interview mit Doktor und Pfarrer

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Interview mit Doktor und Pfarrer

Beitragvon Feyza Yildiz » 22. Feb 2013, 17:17

Interview mit Doktor und Pfarrer

Wer ist schuld?!


Guten Tag! Was sagen Sie zu dem Geschehen?


Doktor: Nun ja, was soll ich sagen? Ich habe ja schon immer gewusst, dass es mit diesem Jungen nicht gut enden würde. Ich habe ihn nur zwei- bis dreimal gesehen. Jedoch hatte sein Verhalten etwas Jüdisches an sich, was nicht nur mir, sondern auch allen anderen Bürgern aufgefallen ist. Es ist nicht unsere Schuld, dass es so gekommen ist. Wir hätten ja nicht wissen können, dass sein Vater ihn angelogen hat. Es ist nicht unsere Schuld.
Wie war Ihre Beziehung zu Andri?

Pfarrer: Ich habe mit Andri zwei Gespräche geführt. Bei dem ersten sollte ich ihn von seiner Rolle als Jude überzeugen. Bei dem zweiten Gespräch bin ich zu Andri gekommen, um ihn zu erlösen. Ich sagte ihm, er sei kein Jude. Jedoch hatte sich Andri zu sehr in seine Rolle als Jude hineingesteigert. Er sagte, es sei an der Zeit ihm zuzuhören. Ich hatte also gar keine Möglichkeit, ihn von der Wahrheit zu überzeugen. Ich fühlte mich in diesem Moment total hilflos.
Doktor: Ich war bei ihm zu Hause und habe den Jungen untersucht. (Ich bin Arzt, falls sie es nicht wissen sollten.) Zu dieser Zeit dachte ich, er sei Andorraner, was er ja auch war, nur haben sie mir später gesagt, dass er Jude wär. Ich war natürlich geschockt, denn kurz davor habe ich darüber geredet, wie stolz ich auf unser Land war. Der Junge hat es natürlich falsch verstanden und ist aus dem Zimmer gelaufen. Er hat gedacht, dass ich was gegen Juden hätte und ihn diskriminieren würde, was natürlich nicht der Fall war. Ich habe nichts Falsches gemacht. Ich habe nur mein Land gelobt. Es war nicht meine Schuld, dass es so gekommen ist.

Was können Sie und noch über Andri und sein jüdisches Verhalten erzählen?

Doktor: Das ist leicht. Zunächst einmal, weiß jeder, wie Juden sind. Sie denken immer nur an das Geld, sind ehrgeizig, sehr ehrgeizig und feig. Ich sage dies nicht, um die Juden schlecht darzustellen, wie gesagt, ich bin nicht judenfeindlich. Es ist nur die Wahrheit! Ich habe selber viele Patienten gehabt, die Juden waren und habe sie vor vielen Krankheiten gerettet. Wenn ich ein Rassist wäre, würde ich das nicht machen, oder? Jedenfalls, bei Andri hat man sofort gemerkt, dass er Jude sei, weil er all diese Eigenschaften besaß. Somit war er anders als wir alle. Man musste ihn nicht gut kennen, um dies zu wissen. Seine ängstlichen Blicke, als er über die Straße lief… die sagten schon alles!!

Pfarrer: Es stimmte schon, er hatte etwas Gehetztes. Mit seiner Überempfindlichkeit hat er es einem nicht leicht gemacht. Er hat mir erzählt, es stimme, was die anderen sagen: Er sei anders. Er sei ein Jude und es sei einfach so. Er meinte sogar, er wolle nur sterben und es gebe keine Gnade.
Denken Sie, Andri sei allein schuld gewesen und habe sich sozusagen selbst an der Pfahl gebracht?
Pfarrer: Nein, das glaube ich nicht. Auch ich bin schuldig. Ich habe mir auch ein Bildnis von Andri gemacht. Ich habe in Andri nicht das Individuum Andri gesehen, sondern ihn nur als Juden betrachtet.

Wie fühlen Sie sich jetzt? Sind Sie sehr traurig, oder ist es Ihnen gleichgültig, dass Andri gestorben ist?

Doktor: Na ja, ich bedauere es natürlich, dass der Junge gestorben ist. Er war ein Andorraner und musste sich als Jude abgeben, weil ihn sein Vater angelogen hat. Das ist schon sehr tragisch, denn ich kann mir vorstellen, was für eine Last dies für Andri gewesen sein muss. Wie ich erfahren habe, hat sich der Lehrer erhängt. Nun das ist natürlich nachvollziehbar. Er fühlte sich wahrscheinlich schon eine längere Zeit schuldig und hatte ein schlechtes Gewissen. Als sie dann seinen Sohn umgebracht haben, hat er es nicht mehr ausgehalten. Traurig, sehr traurig. Ich hoffe, dass dies nicht noch einmal hier, in Andorra vorkommt. Wir haben schließlich einen guten Ruf und der soll noch erhalten bleiben.

Und jetzt zu Ihnen Herr Pfarrer. Warum sind Sie nicht zur Judenschau gegangen, um die anderen von Andris Unschuld zu überzeugen?

Pater schweigt / Kein Kommentar

Wenn sich so etwas wiederholt, würden Sie dann demjenigen helfen und zur Judenschau gehen?

Pfarrer: Nein aber ich bekenne meine Schuld.

Wollen Sie Andri wirklich helfen?

Pfarrer: Ich bete jeden Tag für Andri.

Ok vielen Dank, dass Sie sich für uns die Zeit genommen haben. Auf Wiedersehen!

Pfarrer: Auf Wiedersehen!

Doktor: Auf Wiedersehen, mein Mädchen!




Feyza Yildiz, Rosa Richter
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Re: Interview mit Doktor und Pfarrer

Beitragvon Jaclyn » 26. Feb 2013, 16:50

Feyza und Rosa,

eurer Interview ist euch wirklich sehr gut gelungen.
Die Antworten der Befragten sind nachvollziehbar und realistisch.
Wie im Buch, bekennt der Pfarrer seine Schuld, aber bleibt dennoch feige.
Dies wird zum Beispiel durch '' Pater schweigt / Kein Kommentar '' verdeutlicht.
Ich finde es gut, dass ihr darauf eingegangen seit, dass der Doktor sich eher
um den guten Ruf Andorras sorgt, als um das, was passiert ist.
Ihr habt euch viel Mühe gegeben und das Ergebnis ist sehr gut. :D
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Re: Interview mit Doktor und Pfarrer

Beitragvon Charlotte » 27. Feb 2013, 18:13

Erstmal zum Inhaltlichen: ich fand es sehr gelungen, wie ihr geschrieben habt, dass der Doktor von seiner eigenen Unschuld überzeugt ist und es ist auch gut rübergekommen, dass er Vorurteile hat. Allerdings finde ich, es widerspricht sich ein wenig, dass er zuerst sagt, man hätte gemerkt, dass Andri Jude sei und danach sagt er, dass er dachte, Andri sei ein Andorraner, weil er das ja eigentlich schon von Anfang an gewusst haben müsste. Wenn es extra war, finde ich es gut, denn es wirkt dann so, als würde der Doktor versuchen, sich zu "retten".
Zum Aufbau: es war gut, dass ihr die Fragen groß geschrieben habt, aber manchmal waren sie irgendwie normal dazwischen, sodass es aussah, als würden sie noch zum Textanteil des parters bzw des Doktors gehören. Die Fragen haben gut zu den Antworten gepasst.
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Re: Interview mit Doktor und Pfarrer

Beitragvon Julia » 27. Feb 2013, 22:24

Rosa& Feyza,
Ich finde euer Interview sehr gut geschrieben. Besonders gelungen finde
ich, dass ihr die Personen genauso rüber gebracht habt, wie sie beschrieben wurden,
-der Doktor, der nur an Andorra denkt und der Pfarrer, der seinen Fehler einsieht, aber
trotzdem bedrückt wirkt.
Insgesamt ist das Interview sehr verständlich und die Fragen sind stimmig.
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Re: Interview mit Doktor und Pfarrer

Beitragvon Nils » 2. Mär 2013, 22:31

Feyza Yildiz hat geschrieben:Jedoch hatte sein Verhalten etwas Jüdisches an sich, was nicht nur mir, sondern auch allen anderen Bürgern aufgefallen ist. Es ist nicht unsere Schuld, dass es so gekommen ist. Wir hätten ja nicht wissen können, dass sein Vater ihn angelogen hat. Es ist nicht unsere Schuld.

Sehr gut geschrieben. Hier zeigt Ihr, dass der Doktor - vorgeblich - gar kein Problem mit Andri, sondern -vorgeblich - nur mit den Juden hat. Zum Inhalt dieser Stelle möchte ich gar nicht viel sagen, aber ich denke, dass dieses Zitat ganz gut dazu passt:
"Ich möchte weder herrschen noch irgendwen erobern, sondern jedem Menschen helfen, wo immer ich kann! Den Juden, den Heiden, den Farbigen, den Weissen! Jeder Mensch sollte dem Anderen helfen, nur so verbessern wir die Welt! Wir sollten am Glück des Anderen teilhaben und nicht einander verabscheuen! Hass und Verachtung bringen uns niemals näher! Auf dieser Welt ist Platz genug für jeden und Mutter Erde ist reich genug um jeden von uns satt zu machen!"
Sir Charles Chaplin in Der große Diktator


Jaclyn hat geschrieben:Wie im Buch, bekennt der Pfarrer seine Schuld, aber bleibt dennoch feige.

Den Charakter beider Figuren habt Ihr sehr gut verdeutlicht.
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Ein "buchbezogenes" und trotzdem realistisch/natürlich klingendes Interview.
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