Nr. 4d Interview mit dem Soldat und dem Jemand

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Nr. 4d Interview mit dem Soldat und dem Jemand

Beitragvon Charlotte » 23. Feb 2013, 12:10

Interview mit dem Jemand und mit dem Soldat 19.02.13

„Ein Jude passt einfach nicht nach Andorra“


Guten Tag, wir sind von der Zeitung und möchten mit Ihnen gerne ein Interview führen. Haben Sie Zeit?
J: Ok, wenn sie wollen.
S: Ich habe im Moment wenig Zeit.
Es geht ganz schnell.
S: Nagut.
Danke, wie heißen Sie?
J: Ich sage Ihnen aus, dennoch möchte ich gerne anonym bleiben. In Andorra bin ich als
,Jemand’ bekannt.
Ok, und Sie?
S: Peider, der Soldat.
Gut, Sie wissen worüber wir dieses Interview führen?
J: Ich schätze, es geht um die Judenschau und Andris Tod.
Ganz genau. Waren sie live dabei?
J: Natürlich! Wie jeder andere Andorraner auch.
Können Sie uns schildern, wie sie es beobachtet haben?
J: Also, die Schwarzen kamen, sie gaben uns schwarze Tücher, mit denen wir unser Gesicht vermummen mussten. Außerdem mussten wir unsere Schuhe ausziehen, was ich nicht einsah, denn man kann den Gang eines Menschen auch mit Schuhen erkennen. Die Tücher stanken nach Angstschweiß. Auch ich hatte Angst. Irgendwann, als dann alle ihre Schuhe ausgezogen hatten, ging es los, doch bei den ersten zwei Pfiffen rührte sich niemand. Auf einmal trat diese Lehrerstochter nach vorne und protestierte, aber wieder rührte sich nicht einer. Selbst dann nicht, als sie weggeschleift wurde. Ich finde, das geschah ihr ganz recht. Man hatte uns ja vorher ausgiebig gewarnt. Jedenfalls ging es jetzt voran. Dann kam Andri, wurde erkannt und weggeschleppt.
Moment mal, Sie haben ein ganz schönes Stück übersprungen.
J: Oh ja, stimmt, allerdings ist mir dieser Teil sehr peinlich. Nagut, also, als ich an dem Judenschauer vorbeiging, ertönten auf einmal drei Pfiffe. Ich sag Ihnen, so geschockt war ich noch nie gewesen. Natürlich dachten alle, ich wäre Andri. Der Judenschauer musterte mich, ließ mich dann aber weitergehen. Und ich schwöre Ihnen, ich bin kein Jud. Die Angst hat mich so laufen lassen!
Also, so spielte es sich dann auch bei Andri ab?
J: Ja, nur er wurde noch mehr inspiziert. Musste lachen und als man dann sein Geld gefunden hat, war es aus mit ihm.
Und Sie, können Sie uns den Vorfall noch mal aus ihrer Sicht erklären?
S: Aber, ich habe nicht viel von den Gesprächen oder Vorbereitungen mitbekommen, wenn Sie darüber etwas wissen wollen.
Nein, nur was Ihrer Meinung nach vorgefallen ist.
S: Gut, also ich hatte die besondere Ehre dem Judenschauer zu assistieren. Also erklärte ich den Vermummten den Ablauf der Judenschau. Plötzlich trat Barblin hervor und protestierte. Wahrscheinlich wieder für ihren kleinen Judenfreund Andri, den sie gar nicht nötig hatte. Sie hätte auch einen Besseren, einen Andorraner wie mich haben können! Naja, nach ihrem Auftritt wurde sie weggeschleift und alle waren eingeschüchtert. Dann endlich ging es los. Nacheinander gingen die Andorraner am Judenschauer vorbei. Natürlich gab es keine Juden, bis der Judenschauer auf einmal drei Mal pfiff. Ich traute meinen Augen nicht, als unter dem Tuch nicht Andri, sondern der Jemand zum Vorschein kam. Es war aber nur ein Irrtum. Schließlich kam dann doch Andri und wurde natürlich sofort als Jude erkannt. Ich hab’s gewusst! Hab gewusst, dass es keine Lüge war. Jedenfalls wurde er weggebracht und wahrscheinlich sofort ermordet.
Was ist ihre Meinung dazu, was mit Andri und Barblin geschehen ist?
J: Wie schon gesagt, Barblin geschieht es ganz recht. Ihre Haare werden schon wieder wachsen. Allerdings frag ich mich, was sie mit ihr angestellt haben, dass sie jetzt so verrückt ist. Das kann ja nicht allein am Tod ihres geliebten Judenbruders gelegen haben oder, dass ihr Vater sich erhängt hatte. Zu Andri, gut niemand mochte ihn in Andorra und er war nie beliebt oder hatte Freunde. Trotzdem finde ich es nicht gut, ihn umzubringen. Ich bin ja nicht gehässig oder so. Man hätte ihn einfach verbannen können. Aber ich konnte ja nichts sagen, sonst wäre ich selbst umgebracht worden. Jedenfalls, das Leben geht weiter.
Und was meinen Sie dazu?
S: Naja, also ich mochte ihn nie und in gewisser Weise ist es ja auch gut, dass er weg ist, jetzt wird er nicht mehr belästigt und ausgeschlossen.
Also, denken Sie wirklich, es ist gut für Andri, dass er tot ist?
S: Für mich ist er nicht tot, sondern weg. Keine Konkurrenz mehr.
Wie meinen Sie das, „keine Konkurrenz mehr“?
S: Also, seine Braut, Barblin, war ja immer schon sehr begehrt, aber sie wollte immer nur ihn, diesen Juden, dem wahrscheinlich sein Geld wichtiger war, als sie.
Was meinen Sie denn damit schon wieder?
S: Na, kennen Sie denn nicht die vielen Geschichten von den geizigen Juden? Bewiesene Vorurteile! Auch egal jetzt, jedenfalls konnte ich Barblin haben, wann ich wollte. Wir versuchten, es vor Andri geheim zu halten. Als er es erfuhr, war er wütend und beschimpfte Barblin. Aber ich, als wahre Andorraner, bin eben besser, als so ein mickriger Jud.
Alles, was Sie sagen, hört sich so an, als hätten Sie kein gutes Verhältnis zu Andri gehabt.
S: Nein, nicht wirklich, wie schon gesagt, ich mochte ihn nicht, er mochte mich nicht. Er war mir körperlich um Längen unterlegen. Manchmal verprügelte ich ihn aus Spaß, das war vielleicht falsch, aber ich wollte ihm zeigen, dass er nur ein dummer kleiner Jud ist.
Und wie standen Sie zu ihm?
J: Ich mochte ihn auch nicht. Ein Jude passt einfach nicht nach Andorra. Keiner mochte ihn. Ich machte mich, wie alle anderen auch, lustig über ihn und redete hinter seinem Rücken schlecht über ihn. Ich muss sagen, fast alles, was ich über ihn erzählte, entsprach der Wahrheit, aber er konnte nichts dafür, dass er so war, schließlich war er ein Jud.
Sie reden ganz so, als wären Juden schlechter als Andorraner.
J: Soll das ein Witz sein? Sie sind von ihren Eigenschaften einfach nicht so gut wie wir Andorraner, die bescheiden und heimatverbunden sind, während er ständig nur ans Geld dachte.
S: Ich stimme ihm zu, dennoch glaube ich, das Juden in ihren Ländern bestimmt nicht schlecht sind, aber sobald sie in anderen Ländern sind, hocken sie nur da und wissen alles besser und klauen uns die Arbeitsplätze!
J: Genau!
Ist das Ihre Meinung oder sind das nur Vorurteile? Haben Sie ein Beispiel, wo ein Andorraner besser war als ein Jude?
-Natürlich ist das meine Meinung! Werfen sie mir etwa vor, dass ich kein eigenes Gehirn habe? Als Beispiel: Man erzählt sich in ganz Andorra, wie Andri und ein Geselle Stühle herstellten. Als der Tischler kam und Andris Stuhl testete, brach dieser sofort zusammen. Und Andri behauptete, dass sei die Arbeit des Gesellen gewesen. Als ob ein Andorraner so schlechte Arbeit vollbringen würde.

Nun gut, das haben Sie aber auch nur gehört. Aber Schluss damit. Eine letzte Frage an Sie, Peider, wie stehen Sie jetzt zu Barblin?
S: Zu der Göre? Nein, die kann jetzt nicht mehr hoffen, dass ich zu ihr zurückkomme. Dass ihre Haare weg sind ist ja schon schlimm genug und dann redet sie die ganze Zeit von ihrem ach-so-heiligem Andri und von ihrem Vater, das kann ich mir wirklich sparen! Zu ihrem Vater, warum ist er ihr noch so wichtig? Er hatte sie und ihre Mutter doch schon vor seinem Tod geistig verlassen. Er war ständig nur an Andri interessiert. Ist er Jud oder nicht? Wahrscheinlich hat es ihn ziemlich gewundert, als Andri als Jude entdeckt wurde. Hat wohl so fest an seiner Lüge festgehalten, dass er sie am Ende geglaubt hat.
Was ist denn mit Barblins Vater geschehen? Wurde er umgebracht? Könnten Sie das bitte für mich und die Leser noch mal näher erläutern?
J: Ok, also, der Lehrer hat sich erhängt. Schätze, ihm wurde das alles zu viel. Ich stand eigentlich immer in recht gutem Verhältnis zu ihm. Wir trafen uns öfters im Wirtshaus. Jedenfalls hat mich die Nachricht von seinem Tod wirklich erschreckt. Man fand ihn mit einem Strick um den Hals in einem Schulzimmer. Manche sagen, er habe noch einen Abschiedsbrief geschrieben, jedoch bin ich mir da nicht sicher.
Und noch mal zu der Lüge, Peider, möchten Sie uns das genauer erklären?
S: Naja, nachdem Andri die Senora mit dem Stein umgebracht hat, hat der Lehrer ständig erzählt, dass Andri gar kein Jude sei, sondern sein leibliches Kind mit der Senora. Aber ehrlich gesagt, hat ihm niemand geglaubt, denn welcher Vater würde anderen eher eine Lüge erzählen, mit der es dem Kind schlecht geht, anstatt einen Seitensprung zu gestehen. Andri war ein Jude!
J: Wir haben es alle gewusst!
Nun denn, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Sie haben uns viele Informationen gegeben. Auf Wiedersehen.
J: Keine Ursache. Auf Wiedersehen.
S: Wiedersehen.
Charlotte
 
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Re: Nr. 4d Interview mit dem Soldat und dem Jemand

Beitragvon Katharina » 25. Feb 2013, 21:45

Lotte:
Du hast sehr ausführlich die Situation beschrieben, was gut ist, weil man das Geschehen nochmal ganz anders wahrnehmen konnte. Auch fand ich gut dass du das Interview realistisch rübergebracht hast, also man hat gemerkt, dass du dich viel damit beschäftigt hast. Die Personen hast du so dargestellt, wie ich sie auch sehe, vielleicht hättest du noch ein bisschen mehr beschreiben können, was sie jetzt wirklich im Inneren denken oder ob sie echt so schlechte Menschen sind. Dafür hättest du ein bisschen Beschreibung weglassen können. Ich fand aber an der ausführlichen Beschreibung wiederrum gut, dass die Personen noch verstärkter ihre Persönlichkeit gezeigt haben als im Buch. Ich glaube, nachdem man den Artikel gelesen hat, weiß man genaustens über das Ganze Bescheid, find ich voll gut.
Katharina
 
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Re: Nr. 4d Interview mit dem Soldat und dem Jemand

Beitragvon Franzi » 26. Feb 2013, 16:52

Lotte:
Ich fand deinen Text sehr gut und sehr detailliert. Es hört sich beim lesen wie ein Interview an und man kann sich ein gutes Bild davon machen.
Du hast gut zum Ausgdruck gebracht, wie der Jemand und der Soldat sich in ihren Positionen gefühlt haben, z. Bsp. als der Jemand von dem Judenschauer inspiziert wurde. Ich finde es sehr gut, wie du beschrieben hast, dass der Soldat das Gefühl hatte, es sei eine Ehre dem Judenschauer zu assistieren, was genau seiner Persönlichkeit entspricht. Du schreibst sehr deutlich, dass beide, der Jemand und der Soldat es nicht schlimm, sondern eher zum Vorteil sehen, dass Andri tot ist.
Ich fand es etwas verwirrend, dass du zuerst geschrieben hast, dass der Soldat sagt es sei gut, dass Andri tot ist, weil er dann keine Konkurrenz mehr bei Barblin hast und dann wiederum am Ende schreibst, dass er Barblin nicht mehr 'haben möchte'.
Insgesamt finde ich das Interview sehr gut und man merkt, dass du dir viel Mühe gemacht hast.
Franzi
 
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Re: Nr. 4d Interview mit dem Soldat und dem Jemand

Beitragvon Lara » 3. Mär 2013, 20:25

Lotte,
ich fand dein Interview auch sehr gut. Es ist sehr umfangreich geschrieben, und der unwissende Leser wird sehr gut über das Geschehen informiert. Man merkt, das du dich viel mit der Aufgabenstellung und dem Interview beschäftigt hast. Der Soldat und der Jemand haben von der Art der Sprache ähnlich wie im Buch gesprochen, und sie haben die selbe Meinung vertreten, die den Lesern auch im Buch vermittelt wurde. Sie mochten Andri nicht und sagten dies auch ziemlich deutlich, kaltherzig und zeigen keine Gefühle, genau wie im Buch. Deswegen denke ich nicht, das man ihre Gefühle noch genaur hätte beschreiben können, weil es einfach nicht zu ihnen passt, das sie groß über ihre Gefüle reden.
Allerdings sehe ich das wie Jacy, es war etwas unklar, was der Soldat letztendlich zu Andris Tot bezüglich Barblin denkt.
Insgesamt ein sehr gelunges Interview!
Lara
 
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